Paul Seilers ZARAH LEANDER Archiv

roter Pfeil Aktuelles



Da ich das Archiv immer noch erweitere, unten ein Hinweis,

in welchem Ordner Neuerwerbungen von 2016 sind:

 

Ordner 1937 Zeile 1

Silberspiegel

 

Ordner 1937 Zeile 3

Home-Story noch aus Schweden


 Ordner 1937 Zeile 9

Ankunft mit ihren Kindern in Berlin

 

 

   Ordner 1937 Zeile 12

Fotos zu „La Habanera!“

 

 

  Ordner  1937 Zeile 14

Werbeheft für die französischen Kinobesitzer

zu dem Film "La Habanera"

 

 

 Ordner 1938 Zeile 1

Garbo Vergleich

 

 

 Ordner 1938 Zeile 10 unten

Titelbild aus Japan und mehr

 

 

 Ordner 1938 Zeile 11 unten

Zarah empfängt eine schwedische

Leichtathletik-Mannschaft

 

 

 Ordner 1938 Zeile 13 unten

Farbfoto mit Hut (Der Blaufuchs)

 

 

 Ordner 1938 Zeile 16

Werbeheft für die französischen Kinobesitzer

zu dem Fim "Der Blaufuchs"

 

 

 Ordner 1939 Zeile 1

diverse Titelbilder

 

Ordner 1939 Zeile 4

Zarah mit Familie auf Lönö

 

Ordner 1939 Zeile 15

Titelbilder, eines aus der Türkei

 

 

 Ordner 1942 Zeile 9

Titelbild (Die große Liebe)

 

 

 Ordner 1960 Zeile 24

Zarah Leander synchronisiert

ihre Rolle in „Das gewisse Etwas der Frauen“

September 1966 in Hamburg

 

Ordner 1967 Zeile 13

Zarah Leander mit dem jüdischen Künstler Shmuel Rodensky

bei der Premiere am 1.2. 68von „Anatetevka in Hamburg

 

Ordner 1972 Zeile 5

Zarah Leander feiert ihren 65 Geburtstag

in Bad Wiessee im Jägerwinkel

 

 

 Ordner 1972 Zeile 6

Konzertauftritt in München April 1972

 

 

Ordner "Presseschau"  2007  Zeile 14

Du&ich April 2007 zu Zarahs 100. Geburtstag

 

 


 

Meine Reise nach Prag, am 1. Juli 2016, meinem 80sten Geburtstag

Viele freundliche Zuschriften bekam ich weltweit zu diesem Datum, leider größtenteils nur mit Vornamen und ohne Absender,

daher revanchiere ich mich mit einigen Fotos die in diesen Tagen in Prag entstanden sind:

00b0001 1. Juli 2016 im Speisewagen nach Prag.

00b0002Paul Seiler an seinem 80sten Geburtstag in seinem Hotelzimmer in Prag.

00b0002a

00b0003Vor dem Abendessen ein Glas Champagner.

00b0004Von unserer Hotelterasse einen Blick über die Moldau auf die Burg.

00b0005Die Karlsbrücke.

00b0006Jetzt über die Karlsbrücke.

00b000700b0008Auf dem Weg zur Burg.

00b0009Der Aufstieg zur Burg.

00b0010Der Aufstieg zur Burg, oben fing es leider an zu regnen, dies war unser zweiter Tag.

00b0011Unser Hotel.

00b0012Hausfassaden, alle haben Kriege überdauert.

00b0013Der alte jüdischer Friedhof.

00b001500b0017Die altneue Synagoge.

00b0018In der Synagoge.

00b002100b0020

Faszinierendes Prag!

00b002200b002300b002600b0028Der Tag der Abreise, zuvor aber noch zu Franz Kafkas Grab, einer meiner Lieblingsautoren.

00b002900b0029aDas Friedhofstor.

00b0030Am Grab von Franz Kafka war für mich ein Höhepunkt meiner Tage in Prag.

00b003100b0032

 


Zarah Leander Homepage Statistik Weltweit

 

 

Zarah Leander Homepage Statistik Weltweit für den Monat Juni 2015, dazu kommen noch vereinzelte Zugriffe aus der Schweiz,  Belgien, Norwegen und Finnland.

 

 

Süddeutshe Zeitung

am 28.Juli 2014:

Fremd im System

von Fritz Göttler

 „Die Akte Zarah Leander“ zeigt

 ein ambivalentes Bild der Diva

 Das Gesamtkunstwerk ist wohl entstanden, als die junge schwedische Sängerin in ihrem Vornamen aus dem S für Sarah ein Z machte. Von da an war sie unergründlich und exotisch, entzog sich allen Versuchen einer Zuordnung. Den einen galt sie als kommunistisch, anderen als überzeugt nationalsozialistisch, für wieder andere war sie ein politischer Idiot. Die Autoren Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier geben nicht vor, in Die Akte Zarah Leander das Rätsel Zarah nun definitiv zu lösen, sie präsentieren auch keine neuen Recherchen. Aber sie inszenieren eben diese Rätselhaftigkeit Leanders, mithilfe von Animationen, diverser Kommentatoren und Zeugen, von Jutta Jacobi, der Biografin, über Paul Seiler, den Fan-Experten, bis zum Filmhistoriker Georg Seeßlen. "Ich bin die Leander", sagt Zarah selbst in einem schnippischen Interviewausschnitt, "das muss reichen. Ich weiß selbst nicht, wer ich bin“ Ein Kunstwerk hat immer etwas Tautologisches. Zarah Leander wurde legendär für die konsequente Weigerung, sich und den anderen Rechenschaft abzulegen. Sie wollte nicht dazugehören, bestand darauf, anders zu sein - durchaus provokant in der nationalsozialistischen Gesellschaft, die den Anschluss propagierte, individuell und politisch. Sie war eine Diva in einer Kultur, der das Diventum suspekt war - am unerreichbaren Vorbild Hollywood schätzte der Propagandaminister Goebbels vor allem die sauberen, sterilen MGM-Revuen. Die Diva Leander blieb ein Fremdkörper, die das Spiel mitmachte - weil sie seine Regeln besser kannte -, aber immer wieder sich ihm entzog. Teile der Gage ließ sie sich in schwedischen Kronen auszahlen, an den Kriegswunschkonzerten wollte sie nicht teilnehmen, 1942 setzte sie sich auf ihr Gut Lönö ab, wurde daher von der Gestapo bespitzelt. Ihre Filme hatten phänomenale Einspielergebnisse, und sie zeigte sich schonungslos subversiv darin. In einem der Couplets, die sie in den Dreißigern in schwedischen Cabarets gesungen hatte, ging es bereits gegen Judenverfolgung: "Ich stehe im Schatten eines Stiefels . . . verschleppt von preußischem Ungeist . . ." Ein paar Jahre später sang sie dann, im Film "Zu neuen Ufern" ihr berühmtes "Ich steh im Regen . . ."  Detlev Sierck, der dann nach Hollywood emigrierte und als Douglas Sirk das amerikanische Melodram erneuerte, hat mit großer Lust diese Nummern als aggressive, erotische Akte der Koketterie inszeniert. Die Dokumentation macht einen Comic aus Zarah Leanders Leben, sie ist eine Hexe mit rotem Haar, ein mythischer Alien. Georg Seeßlen ist voll begeistert vom Spiel zwischen Oberflächlichkeit und Tiefe: Sie könnte auch von Andy Warhol erfunden sein!Zarah war freilich nicht mit den fünfzehn Minuten zufrieden, die Warhol jedem an Star sein zugestand. Nach dem Ende des Krieges drehte sie noch mal voll auf, wurde grell und farbig und aufgedonnert wie ein Warhol-Druck - der reine Pop, also immer auch ihre eigene Parodie.

Einschaltquoten 28.7.2014 Die Akte Zarah Leander

  ARD zeigt am 28. Juli 2014 um 23 Uhr 20:

DAS HERVORRAGENDSTE LEANDER-PORTRÄT DER LETZTEN JAHRE:

(Erstausstrahlung am 23. Oktober 2013 bei ARTE)

Die Akte Zarah Leander

 Biografie (52 Minuten) leider für das ARD Programmschema um7 Minuten gekürzt

 Nazi-Diva, Künstlerin, oder Sowjotspionin?

 

Über Leben und Werk des schwedischen Filmstars Zarah Leander
von Torsten Striegnitz, Simone Dobmeier

 

mit Brigitte Pettersson, Jutta Jacobi, Tina Rosenberg, Georg Seeßlen,

 

Dr.Martin Lücke, Richard Rosengren, Paul Seiler

 


 

   Der letzte Film aus Schweden,1935, der zweitletzte aus Deutschland,1959, jetzt auch auf DVD:

58b190d1 Zwei weitere Filme von Zarah Leander auf DVD


 

Neue Osnabrücker Zeitung am 23. Oktober 2013:

Ressort Medien

Spionin oder Hitlers Geliebte?

Arte beleuchtet in einer Dokumentation den Mythos um Zarah Leander

von Tobias Sunderdiek

Osnabrück. War Zarah Leander eine Spionin? Hitlers Geliebte? Oder hat sie gegen die Nationalsozialisten gekämpft? Die  Arte-Dokumentation "Die Akte Zarah Leander" blickt auf die vielen Gerüchte, die sich auf die Filmdiva ranken, und enthüllt Details aus Geheimdienstarchiven.

Es war der größte Kassenschlager des Dritten Reiches und wurde zum erfolgreichsten deutschen Kinofilm aller Zeiten:27 Millionen Zuschauer sahen das Melodram "Die große Liebe" (1942), begeistert wurde darin Zarah Leander gefeiert. Die matronenhafte Schwedin mit der tiefen Stimme sang darin nicht nur einige ihrer zu Evergreens gewordenen Lieder wie "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen" und "Davon geht die Welt nicht unter", sondern stellte sich auch in den Dienst der NS-Propaganda. Aber auch willentlich? Oder war sie wirklich nur eine "politische Idiotin", wie sie sich später titulierte?

1943 jenfalls geschah etwas, was noch immer ein Rätsel aufgibt. Die Diva verließ Nazi-Deutschland in Richtung Schweden - und sollte erst nach dem Krieg wieder zurückkehren. Trotz laufender Verträgen mit der Ufa und trotz aller Lockangebote von Propagandaminister Goebbels, der ihr gar einn Schloss in Ostpreußen schenken wollte.

Zwar war sie auch in Schweden ein Star, wurde aber auch kritisch beäugt. Die Stimmung des im Krieg neutralen Landes wurde zunehmend deutschfeindlicher, Zarah Leander sah sich Gerüchten und Anfeindungen ausgesetzt. Sie soll sogar Hitlers Geliebte gewesen sein, behaupteten einige. Ein absurdes Gerücht, das sich aber lange hielt und unter anderem dazu führte, dass sie in Schweden mit einem Radioverbot belegt wurde.

Trotzdem: Es gab genug Gründe für den schwedischen Geheimdienst, sie zu beobachten. Unter anderem ging die Stockholmer Behörde der Mutmaßung nach, die Schauspielerin wolle ihr Privatdomizil an der Ostsee deutschen Truppen zur Verfügung stellen, sollten diese Schweden angreifen. Und:Welche Beziehung besaß die Leander zu Juden und Kommunisten? Schließlich war die Sängerin bereits 1935 in die Sowjetunion gereist, besaß viele linke Freunde und verkehrte 1937 in Wien, wo sie Bühnenerfolge feierte, mit deutschen Emigranten. So füllten sich seit Ende der 30er-Jahre Akten über den schwedischen Star.

Und auch in Berlin setzte Goebbels Agenten auf sie an. Angeblich wurde sie gar einmal von der Gestapo verhört. Belegt sind zumindest Schnüffeleien über das Privatleben der Schauspielerin, das übrigens, wie die meisten ihrer Rollen, so ganz und gar nicht dem NS-Ideal einer deutschen Frau entsprach: Zarah Leander war alleinerziehende Mutter, beruflich stand sie ihren Mann, und sie führte ein Leben im Luxus. Lebensumstände, die sich für deutsche Frauen angeblich nicht ziemten.

2001 kam es schließlich zu einem überraschenden Dokumentenfund. In Schweden fanden sich Protokolle, die nahelegten, Zarah Leander hätte für die Sowjetunion spioniert. War die in Luxus schwelgende Filmschauspielerin gar eine Kommunistin? Zarah Leander verneinte in Interviews stets irgendeine Vebindung zu Geheimorganisationen. Und tatsächlich: Bis heute fanden sich in Moskauer Archiven keine Bestätigungen für diese Behauptungen. Bleibt die Frage: Was ist also Wahrheit? Was ist Dichtung?

Dramaturgisch spannend mit dieser Frage verwebt, gestaltet sich die Arte-Dokumentationt von Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier dabei aber auch zu einer aufregenden Spurensuche, was den Mythos der "zweiten Garbo" angeht. Unterstüzt werden sie dabei von gelungenen Animationen des Künstlers Ali Soozandeh und kompetenten Interviewpartnern, darunter die Filmwissenschaftler Georg Seeßlen und Paul Seiler, der das wohl das größte Privatarchiv zu Zarah Leander besitzt und mehrere Biografien über sie schrieb.

Und sie untersuchten den Einfluss der Leander auf die Popkultur. Unvergessen bleibt etwa Nina Hagens Interpretation des Songs "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen" oder Zarah Leanders Einfluss auf die schwul-lesbische Szene, die sie längst zum "queeren Camp-Star" adaptierte.

Eins ist jedoch klar: Auch 106 Jahre nach ihrem Geburtstag und 32 Jahre nach ihrem Tod lebt der "Mythos Zarah Leander" weiter. Auch Dank solcher Dokumentationen.

 

DAS HERVORRAGENDSTE LEANDER-PORTRÄT DER LETZTEN JAHRE:

Zarah Leanders Magie, sowie deren Wirkung auf ihr Publikum, erklärt der Filmhistoriker

Georg Seeßlen auf plausible Weise, ein Gewinn für das Porträt auch Tina Rosenberg, DANKE!

Auch alle anderen Mitwirkenden haben das Porträt bestens bereichert.

ARTE am 23. Oktober 2013 um 22 Uhr 20:

Die Akte Zarah Leander

Biografie (51 Minuten) RBB Erstausstrahlung HD

Nazi-Diva, Künstlerin, oder Sowjotspionin?

Über Leben und Werk des schwedischen Filmstars Zarah Leander
von Torsten Striegnitz, Simone Dobmeier

mit Brigitte Pettersson, Jutta Jacobi, Tina Rosenberg, Georg Seeßlen,

Dr.Martin Lücke, Richard Rosengren,Paul Seiler 

                                                                                                                                                                                                              82b236  Dokumentation "Die Akte Zarah Leander"  in den Nordischen Botschaften

 

 


Geschichten im Ersten: Duelle: Marlene Dietrich gegen Zarah Leander, ein Film von Michael Wech,

am 25. März 2013 um 23 Uhr 30

Gegen den Strich gebürstet, wie ich gehofft hatte, ist das Porträt leider nicht ausgefallen

Interviewt wurden: Louis Bozon, Jutta Jacobi, Micaela Jary, Hellmuth Karasek, Brigitte Pettersson, Bosse Schön, Paul Seiler, Werner Sudendorf und Karin Wieland  
Zu eindeutig waren die Positionen von Beginn an ausgegeben. Die  Dietrich mutiert  zur Mutter Theresa des Widerstandes, die als geborene Antifaschistin ihre Weltkarriere opfert, um im Kampf gegen Hitler mit der amerikanischen Armee an vorderster Front das Reich des Bösen zu besiegen, während die Leander nur ihre Karriere und den damit verbundenen Geldsegen im Auge hat. Die Tochter der Dietrich hat diese Zeit in ihrem Buch „Meine Mutter Marlene“ auch beschrieben, die Fotos, die Marlene unter Soldaten an vorderster Front zeigen, seien oft nur gestellt gewesen,  da wäre im Text ein Hinweis  angebracht gewesen.
Dass die beiden Diven bis zum Ende ihrer Karrieren ein ähnliches Publikum ansprachen,  darunter viele Homosexuelle, kein Wort darüber, auch nicht, dass  die Leander zu Beginn Ihrer Karriere das Dietrich-Chanson „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ in schwedischer Sprache sang.  Verschwiegen wird Leanders wichtigster Textdichter Bruno Balz, der wegen seiner Homosexualität unter den Nazis einiges zu leiden hatte. Die meisten  Chansons aus dieser Zeit stammen aus seiner Feder, es sind meistens hocherotische Texte, die eine Gegenwelt zur prüden Naziideologie bildeten.  
Frankreich wird zum Land der Dietrich erklärt, verschwiegen wird, dass lange vor der Besetzung durch die Nazis 1940  die Leander einer der beliebtesten UFA-Stars in Frankreich war, diverse Titelbilder mit mehrseitigen Storys belegen dies und werden in der Dokumentation unterschlagen. All ihre Filme liefen dort synchronisiert mit Zarah Leanders Gesangsstimme, 1938 nahm sie in Paris Lieder in französischer Sprache auf. Diverse französische Künstler scharten sich um sie lange vor der Besatzungszeit, unter anderem auch Jean Cocteau. Wie die Dietrich, die in diesen Jahren auch in Frankreich drehte, darauf hätte reagieren können, war keiner Erwähnung wert. Ihr Lieblingspartner, Gary Cooper, war noch 1938 zu Gast bei der UFA in Berlin, traf sich mit der Leander, dies wird auch verschwiegen.
Zwei der Dietrich-Zeitzeugen haben sich die Bälle zugeworfen, sie überboten sich damit, Marlene als einen Menschen ohne jeden Tadel darzustellen, ihre Statements wurden mit weihevollen Stimmen vorgetragen, es fehlte nur noch die Beantragung einer Heiligsprechung beim Vatikan, während die sechs Leander-Zeitzeugen sich durchaus kritisch gaben, ohne unterwürfigen Tonfall. Warum aber der Schwede Bosse Schön weder Auskunft geben konnte, welche Rolle König Gustav von Schweden in diesen Jahren spielte, ist nicht nachvollziehbar. Es liegt ein Foto vor, wie er in Berlin 1939 den höchsten Schwedischen Orden Göring an die Brust heftete. Auch kein Kommentar zum schwedischen Geheimdienst SAPO , immerhin hat Bosse Schön darüber ein Buch veröffentlicht, stand doch die Leander während ihrer UFA-Karriere, und noch bis in die 50er Jahre, unter dessen Beobachtung. Im Gegenzug hat der Nazi-Geheimdienst dasselbe mit der Leander durchgeführt: „da man nicht wüsste, auf welcher Seite die Künstlerin stünde.“ „Die Deutsche Frau kann wieder Atem holen, wir sind von neuen Filmen bewahrt, sie hat das Deutschtum verdrängen wollen“ stand im Beiblatt der Waffen-SS nach Leanders Abgang. All dies wurde nicht vermerkt. Dafür im gesprochenen Text die Behauptung aufgestellt: „Die Leander besuchte Goebbels regelmäßig bei dessen Teestunden.“ Was heißt „regelmäßig“? Jede Woche, einmal im Monat? Die Zusammenkünfte mit diversen Künstlern, nie mit Einzelpersonen, dienten Goebbels, um deren Meinung auszukundschaften, er machte sich in seinen Tagebüchern aber auch über das „Künstlervölkchen“ lustig, und hat jedes Treffen mit Nennung der anwesenden Personen vermerkt. Selber bin ich nach Durchsicht der mir vorliegenden Tagebücher nur auf wenige Teerunden im Beisein der Leander gestoßen. Allerdings hat Goebbels die Leander auch in sein Ministerium gebeten oder sie in ihrer Villa aufgesucht. Zu empfehlen ist zu diesem Komplex die hervorragend recherchierte Publikation von Felix Moeller: DER FILMMINISTER, in der auch jeder wichtige Hinweis über die Leander in den Goebbelsschen Tagebüchern vermerkt ist.
Der letzte Arbeitstag der Leander war nach einem mir vorliegenden Zeitungsbericht sowie einer Gagenabrechnung   der 10. November 1942. Ihre letzten Schallplatteneinspielungen im Reich fanden sogar schon im April 1942 statt. Die Aufnahmen der Lieder zu ihrem letzten Film „Damals“ wurden im April 1943 in Stockholm getätigt. Ab Dezember 1942 hatte die Leander keine Tätigkeiten mehr im Reich ausgeübt, sie zog sich endgültig auf ihr 1939 erworbenes Landgut Lönö zurück,  das immer erster Wohnsitz war. Was sollte sie ab November allein in Berlin? Ihr Ehemann diente bei der Armee in Schweden, ihre Kinder besuchten schon nach Kriegsausbruch 1939 ein Internat in Schweden, ein neuer Film war auch nicht in Vorbereitung. Lediglich im März 1943 kam die Leander für wenige Tage nach Berlin, um der Filmpremiere des Films „Damals“ beizuwohnen. Zufällig fielen zu diesem Zeitpunkt Bomben auf ihr nur gemietetes  Anwesen an der Max-Eyth-Straße. Dies war aber nicht der Grund, Berlin endgültig zu verlassen, schon im Sommer 1942 hat sie ihre wertvollen Antiquitäten nach Schweden verfrachtet, dennoch  wird immer wieder der Eindruck erweckt, die Leander habe erst nach Stalingrad dem Reich den Rücken gekehrt, leider auch hier. Außerdem wird zu dem Film „Die große Liebe“ vermerkt:  „Es war Zarah Leanders erster wirklicher Propagandafilm“,  ja, aber auch ihr einziger, da danach nur noch „Damals“ folgte.
Als  Zeitzeugen  habe ich Michael Wech  mehrmals den ehrenvollen Heiner Geissler vorgeschlagen, der in dem Buch von Elke Heidenreich „Ein Traum von Musik“ sehr anrührend berichtet, wie ihn die erotische Stimme der Leander in seiner Pubertät faszinierte, aber diese positive Aussage sollte nicht sein, stattdessen meldet sich Hellmuth Karasek aufgeregt zu Wort und berichtet, wie das Durchhaltelied „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“ ihn  in seiner Kindheit verfolgte  und wohl auch traumatisierte. „Vor der Kaserne, vor dem großen Tor (…) so wolln wir uns da wiedersehn“, erst nur im Reich von Lale Andersen gesungen, hatte eine ähnliche Botschaft wie das Wunderlied, „und ich weiß, dass wir uns wiedersehn“,  da es aber auch die Dietrich für ihre Seite sang, wurde es nicht als Durchhaltelied denunziert. Die Musik stammt übrigens von dem NSDAP-Mitglied Norbert Schultze, der  im Auftrag von Propagandaminister Goebbels Stücke wie „Von Finnland bis zum Schwarzen Meer“, in dessen Refrain ist die Textzeile „Führer befiehl, wir folgen dir“  sowie das Lied  „Panzer rollen in Afrika vor“ oder „Bomben auf Engeland“  vertonte. Zu hinterfragen, ob dies die Dietrich wusste,  und wie sie darauf reagiert hätte, dies verstehe ich unter „gegen den Strich bürsten“. Leider zur Karriere der Leander nur wieder die alten Klischees aus dem Keller hervorgeholt, dort wo sie, wie die 10 Gebote, für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt sind. Zu hoffen ist, dass das nächste Porträt über die Leander, Die Akte Zarah Leander, in dem ich auch wieder die Ehre habe dabei zu sein, differenzierter ausfällt.          (ARTE im Herbst 2013) 
Paul Seiler am 27. März 2013
Das Erste
 
 
 

 

Geschichten im Ersten: Duelle: Marlene Dietrich gegen Zarah Leander, ein Film von Michael Wech, am 25. März 2013 um 23 Uhr 30

 

 

 

Mehr als 100.000 Reichsmark will Propagandaminister Joseph Goebbels 1936 dem deutschstämmigen Hollywoodstar Marlene Dietrich für jeden Film zahlen - wenn sie nach Deutschland zurückkäme. Dazu freie Auswahl der Stoffe und Regisseure. Goebbels sucht eine schöne Schauspielerin für seine Nazi-Propaganda. Doch die Dietrich lehnt ab. So bietet Goebbels diese höchste Gage aller UFA-Stars schließlich einer jungen Schwedin an, die sich mit Musicals einen Namen gemacht hat. Zarah Leander willigt ein.

Marlene Dietrich und Zarah Leander - zwei Diven des 20. Jahrhunderts, deren Lebenswege völlig gegensätzlich verlaufen. Auf der einen Seite die Berlinerin Marlene, die als Weltstar dem NS-Regime erbitterten Widerstand leistet. Auf der anderen Seite die schwedische Sängerin, deren Durchhaltelieder Millionen Deutsche in die Kinos locken, selbst als rundherum alles in Schutt und Asche fällt. Die Erfolge beider Schauspielerinnen sind legendär. Marlene Dietrich wird nach dem Kassenschlager „Der blaue Engel“ der höchstbezahlte weibliche Hollywoodstar der 1930er Jahre. Zarah Leander steht dem kaum nach. Ihren Film „Die große Liebe“ sehen 27 Millionen Zuschauer in ganz Europa. Es ist nicht nur die Politik, die die beiden Schauspielerinnen zu Konkurrentinnen der Filmwelt macht. Auch persönlich ist der Unterschied zwischen ihnen groß. Zarah Leander hält ihr Privatleben geheim und gibt sich als Star zum Anfassen. Marlene Dietrich lebt ihre zahllosen Affären mit Frauen und Männern aus und hält mit ihren Launen die Studios auf Trab. Doch vor allem stehen die beiden Frauen stellvertretend für den Kampf zweier Systeme - Demokratie gegen Diktatur. Während sich die eine durch das Dritte Reich laviert und ihren eigenen Vorteil über moralische Erwägungen stellt, tritt die andere offen als Gegnerin Hitlers auf. Ein Duell, das weit mehr ist als die Konkurrenz zweier Diven.

 

Autor Michael Wech hat für neue Duelle-Folge „ Marlene Dietrich gegen Zarah Leander“ mit Zeitzeugen und Experten in Schweden, Paris und Berlin gesprochen und selten gezeigtes Archivmaterial gefunden. Mit „Marlene Dietrich gegen Zarah Leander“ setzt die ARD ihre erfolgreiche Reihe „Duelle“ fort. Zuletzt liefen die Filme „Helmut Kohl gegen Wolfgang Schäuble“, „Gerhard Schröder gegen Oskar Lafontaine“ und „Porsche gegen Piëch“.

Redaktion: Gudrun Wolter (WDR), Kerstin Woldt (SR) 

Das Erste 

Zarah Leander

 Künstlerische Würdigung

Zarah Leanders Leben war die Bühne und der Applaus war die Droge, die sie am Leben erhielt. Nur so lässt es sich verstehen und erklären, dass ihre Karriere stets an erster Stelle stand und dass sie dieser Karriere nicht nur vieles opferte, sondern auch ungeachtet zeithistorischer Umstände die Gunst der Stunde im nationalsozialistisch regierten Deutschland nutzte, die ihr die seinerzeitige Filmmetropole Berlin bot. Der US-amerikanische Regisseur Douglas Sirk, mit dem die Leander 1937 den Film "Zu neuen Ufern" gedreht hatte, brachte dies 1980 mit den Worten "Sie war weder Nazi, noch Nicht-Nazi, sie wollte Karriere machen" auf den Punkt. Und mit dieser Einstellung war sie unter den Künstlern ihrer Zeit keineswegs eine Ausnahme.

Gegen eine nationalsozialistische Gesinnung Zarah Leanders sprechen indes drei Punkte: 1. drückte sie sich erfolgreich um eine Mitgliedschaft in der Reichsfilmkammer; 2. blieb sie schwedische Staatsbürgerin und verließ nach einem entsprechenden Angebot von Joseph Goebbels für eine deutsche Staatsangehörigkeit das Land; 3. wurde sie vom Deutschen Reich als potenzielle Spionin überwacht (allerdings auch umgekehrt vom schwedischen Geheimdienst). Die Frage, inwieweit auch neutrale Ignoranz und Passivität im Sinne von Molières "wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun" zum Mittäter macht, lässt sich vor allem aus der Sicht der Nachgeborenen kaum beantworten. Zarah Leander selbst wird darauf nach dem Krieg mit der ihr eigenen Direktheit und Unschuldigkeit antworten: "Ich lebe in meinen Liedern, sie bedeuten mir alles. Wenn man mir daraus einen politischen Vorwurf machen will, ... das verstehe ich nicht."

Zarah Leander lebte in ihren Liedern das spürte ihr Publikum und dafür liebte es sie. Und sie sang in den politisch bewegten und zum Teil hoffnungslosen Jahren des Zweiten Weltkriegs sowie später der Nachkriegszeit den Menschen aus dem Herzen, gab ihnen eine vielleicht auch noch so sinnlos erscheinende Zuversicht und entführte sie für eine kurze Zeit in eine Welt der Illusionen. Auch das ist ihr zum Teil vorgeworfen worden und hat Schlagern wie "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn" und "Davon geht die Welt nicht unter" das Etikett von "Durchhalteliedern" aufgeklebt. Tatsache bleibt, dass Zarah Leander mit ihrer einzigartigen tiefen Kontraalt-Stimme, ihrem musikalischen Ausdruck und ihrer menschlichen Wärme die Menschen in ihrem Innersten berührt hat. Ihre Lieder waren Botschaften von Liebe und Leid, tröstend und bewegend, aber auch humorvoll und provokativ , mit denen sie in diesem speziellen historischen Kontext den Nerv der Zeit traf, und das nicht nur bei der Masse der (nazi-treuen) deutschen Bevölkerung, sondern auch bei den sog. "Feinden des Reichs", denen sie damit z.B. in Konzentrationslagern Trost spendete.

 

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Zum 100. Geburtstag der Babelsberger Filmstudios am 12. Februar 2012  sind zwei faszinierende, lesenswerte Bücher erschienen, die ich hier vorstellen möchte:

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"Der leidende Vamp - Zarah Leander" ist der Beitrag von Claudia Lenssen,  faszinierend zu lesen.

2012 by edition ebersbach www.edition-ebersbach.de

 

           

„100 YEARS STUDIO BABELSBERG“ ist ein Prachtband, der Künstler vorstellt, die in diesen Studios gearbeitet haben. Folgende Namen prangen auf dem Umschlag:
FRITZ LANG  MARLENE DIETRICH  BRAD PITT  KATE WINSLET  ROMAN POLANSKI  KONRAD WOLF  FRIEDRICH WILHELM MURNAU TOM TYKWER  NATALIE  PORTMAN  ZARAH LEANDER  QUENTIN TARANTINO  ROLAND EMMERICH  ANDY AND LANA WACHOWSKI  ERICH POMMER TOM CRUISE ADRIEN  BRODY SUSAN SARANDON  FRANK BEYER  CHRISTOPH WALTZ  ALFRED HITCHCOCK   MATT DAMON  ARMIN MÜLLER-STAHL  ASTA NIELSEN
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Erfreut habe ich mich unter anderem auch an der folgenden Doppelseite:
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Links: Zarah mit ihrem Regisseur Detlef Sierck, rechts mit ihrem Partner Viktor Staal in "Zu neuen Ufern".  
Dieses Buch ist erschienen bei teNeues www.teneues.com , zu beziehen beide Bände auch über Amazon.

 
 Anderswo gelesen:

 

Donnerstag, 23. Juni 2011
Davon ging die Welt nicht unter
von Stefan BroNIIowski
Aus Anlass der dreißigsten Wiederkehr ihres Todestages ist heute vielerorts von Zarah Leander die Rede. Dabei wird, wie üblich, allerhand Unsinn verzapft  vorzugsweise über ihre Rolle im Dritten Reich. Besonders ärgern mich in dem Zusammenhang immer die Ausdrücke „Durchhaltefilme“ und „Durchhaltelieder“. Es besteht zwar kein Zweifel, dass auch unter dem NS-Regime — und unter welchem Regime wäre das je anders? — die Unterhaltungsindustrie sich nebst dem Profit dem Ziel verpflichtet wusste, gute Stimmung zu erzeugen und die Leute von der Realität abzulenken. Wer aber heute noch meint, mit Kino und Schallplatte sei beinahe der Krieg gewonnen oder zumindest verlängert worden, denkt wie Goebbels und irrt. Wer bei Verstand ist, kann doch nicht wirklich glauben, ohne die Filme und Lieder der Zarah Leander und anderer wäre auch nur ein Mensch weniger gestorben. Aber vielleicht wurde manchem in all dem Schrecklichen (an dem er vielleicht selbst mitwirkte, vielleicht auch nicht) doch eine Weile leichter ums Herz, wenn er sich in die visuellen und akustischen Traumwelten verlieren konnte. Ich missgönne das keinem. Und das „Durchhalten“ hat ja eigentlich noch eine andere Bedeutung als die, die Goebbels wollte und auch heutige „Kritiker“ noch gerne haben wollen. Nicht um jeden Preis bis zum Endsieg kämpfen, sondern den Schrecken und den Wahn, in den sie sich verstrickt hatten oder in den sie verstrickt worden waren überleben, das wollten die meisten Menschen. Und das ist der Subtext der zum Beispiel in „Davon geht die Welt nicht unter“ mitzuhören ist, wenn man verstehen will, was der Autor Bruno Balz sagen wollte. Denn der war kein Nazi und kein Durchhaltepropagandist, sondern einer, der erst vor einiger Zeit aus dem Kazett entlassen worden war, nicht zuletzt, weil seine Freundin Zarah Leander sich für ihn eingesetzt hatte. Dass die Texte von Bruno Balz, die oberflächlich betrachtet oft so harmlos und völlig unpolitisch erscheinen, einen subtilen Witz zu bieten hatten und für kundige Leser noch heute haben, den man schwerlich anders als als poetischen Widerstand bezeichnen kann, habe ich vor neun Jahren in einem Zeitungsartikel zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages zu zeigen versucht, den ich hier wieder zugänglich mache.

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 UNVERGÄNGLICH – UNVERGESSEN

von Paul Seiler

Zum 30.Todestag von Zarah Leander am 23. Juni 2011
Meine Gedanken gehen zurück in jene Nacht, in der Zarah Leander starb: Seit Tagen wusste man, dass es nach einem zweiten Hirnschlag kritisch um sie stand. In Berlin, wo ich mit kurzer Unterbrechung seit 53 Jahren lebe, war die Hausbesetzer-Szene sehr aktiv. In Zarahs Sterbenacht tobte hier der Häuserkampf, die Martinshörner der Polizeiautos schrillten durch die Straßenschluchten. Um 23 Uhr habe ich mich ins Geschehen gemischt, um mir ein eigenes Bild zu machen. Seit Wochen war es üblich, dass mein Bäcker, der Fleischer, der Zeitungskiosk und der Blumenladen an der Ecke ihre Geschäfte mit Holz verrammelten. Die Hausbesetzer-Szene erstreckte sich von der Potsdamer über Winterfeldt-und Maaßen-bis zur Eisenacher Straße. Die Unruhen, der Lärm ließen keine Nachtruhe zu, sodass ich erst, als der Tag schon wieder hell wurde, das Bett aufsuchte.
 Es war die Stunde, kurz vor 4, in der das Herz von Zarah Leander aufhörte zu schlagen. 
Erfahren habe ich es erst, als der neue Tag schon zur Hälfte um war.
 Ein Schmerz war plötzlich in mir, als ob es sich um den Verlust eines Familienmitgliedes handeln würde. Dabei lag ein letzter Händedruck  mit der Leander, nach ihrem  Auftritt bei den Wühlmäusen an der Lietzenburger Straße, mehr als 5 Jahre zurück. Auf einer Bühne konnte ich sie bei ihrem letzten Konzert in Berlin am 6. Februar 1978 auch noch erleben. Jetzt aber war  mir plötzlich bewusst, keine Begegnung, kein Gespräch würde je wieder stattfinden können.
Damals konnte ich mir nicht vorstellen, nach dreißig Jahren meine Gedanken jetzt unter der Überschrift  
UNVERGÄNGLICH – UNVERGESSEN “  
 zusammenzufassen. Dass dies so ist, erfüllt mich nun  mit Genugtuung. Vielleicht hat mein Engagement auch ein wenig dazu beigetragen: durch meine Bücher, die Ausstellungen, Events an den Erinnerungstagen, durch den Film von Christian Blackwood Mein Leben für Zarah Leander“, meine Interviews für Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen. Auch war ich für diverse Fernsehporträts sowie  Ratesendungen Berater, unterhielt 10 Jahre in meiner Wohnung ein Zarah-Museum, beantwortete Briefe und Telefonate. In Sachen Zarah unterwegs war ich in Hamburg, Hannover, Celle, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, München, Baden-Baden, Wien, Genf, im schweizerischen Tessin, auf Gut Lönö in Schweden  sowie im fernen New York. Jetzt im digitalen Zeitalter angekommen, unterhalte und gestalte ich die Zarah-Leander-Homepage mit inzwischen mehr als 6 000 Seiten und 200 000 Besuchern.
Damals konnte ich mir dies alles nicht vorstellen, war erfreut, dass ARD und ZDF ihre Programme änderten und Zarah-Filme sendeten, Zeitungen und Zeitschriften in diversen Ländern Nachrufe brachten und diverse Rundfunkgedenksendungen folgten.
Gefreut und registriert habe ich in den folgenden Tagen, Wochen, Monaten und Jahren all die großen und kleinen Vorkommnisse, die dazu beitrugen, die Leander weiter im Gespräch zu halten, und die es daher wert sind, festgehalten zu werden.
 An der Berliner Mauer konnte man lesen:
Zarah wir vergessen Dich nie!;
In großen Lettern stand im Juni 1981 auf einem Transparent 
Kann denn besetzen Sünde sein?
an einem der eroberten Häuser am Winterfeldtplatz.
Jetzt, 30 Jahre später, gibt es eine Cartoon-Karte zur Alternativenergie:
„Windrad Typ Zarah Leander 2“ mit dem Liedtitel
Der Wind hat mir ein Lied erzählt
  Zarahs  Liedertexte wurden im Laufe der Jahre mehr und mehr zu geflügelten Worten, man bedient sich ihrer in der Umgangssprache, sie sind unverwüstliches Populärgut, wurden  unsterblich.So ging und geht es bis heute weiter:  
 [Salzburger Monat ]Jenseits von Spießern und deren Moral, die Zarah Leander das Leben zur Qual machten, ist 
Kann denn Liebe Sünde sein?
       das Thema von „Kultur an der Mur 2011“.
 
                   DANKE, DANKE, DANKE u.a.an folgende Menschen:
Günter Rühle, Helma Sanders-Brahms, Karsten Witte. Mit den Texten dieser herausragenden Koryphäen bereicherte ich in den kommenden Jahren meine diversen Publikationen:
Günther Rühle (* 3. Juni 1924 in Gießen),einst Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gehört zu den einflussreichsten Theaterkritikern dieser Republik, er ist ein Mann des Feuilletons und ein Freund des Theaters. Für mehr als ein Vierteljahrhundert hat er das deutsche Theatergeschehen begleitet und es in unzähligen Kritiken, Glossen und Essays beschrieben).1981 gestattete er mir bereitwillig, seine genialen Essays über Zarah Leander zu  zitieren.

Helma Sanders-Brahms (* 20. November 1940 in Emden),Filmemacherin, inspiriert vom kritischen Geist der ausgehenden 1960er Jahre, dreht kritische, politische TV-Filme und Dokumentarfilme über die Arbeitswelt, über Migration und die Situation von Frauen im Nachkriegsdeutschland),derenTexte zu Zarah Leanders Tod, kritisch und mit spitzer Feder, aber voller Respekt verfasst, benutzte ich ebenfalls mit deren Einverständnis.

Karsten Witte (*1944 in Perleberg;† 23.10.1993) war ein deutscher Filmwissenschaftler. Seit 1979 lebte er in Berlin, wo er zuletzt Professor für Filmwissenschaft an der FU Berlin war,der sich ebenfalls unvoreingenommen mit der Leander beschäftigte. Benutzt habe ich seinen Kommentar zu Zarah Leanders umstrittenstem Film „Die große Liebe“,ebenfalls mit dessen Zustimmung.

Federico Fellini (* 20. Januar 1920 in Rimini; † 31. Oktober 1993  in Rom)gilt als einer der wichtigsten Filmemacher und Regisseure Italiens,   bekannte sich zum Erstaunen der Journalisten bei den Berliner Filmfestspielen 1986 während einer Pressekonferenz, als er sich über den deutschen Film äußern sollte, unumwunden zu Zarah Leander: "Immer bekam ich eine Gänsehaut, wenn ich sie hörte. Sie war die Löwin, von der sich ein Mann gerne auffressen lassen würde."                                         

Auch ihn zitiere ich seitdem gerne.
 
Unter den vielen Menschen, die mit mir Kontakt aufnahmen, mein Zarah-Museum besuchten, wurde von denen, die den Krieg noch erlebt hatten, oft geäußert: „Es war eine schreckliche Zeit unter den Nazis, aber wir waren froh, dass es wenigstens noch Filme gab, in denen wir dem streng reglementierten Alltag entfliehen konnten.“ Gerade Zarah Leander „verkörpere mit ihren Liedern eine Gegenwelt zum spießigen Einerlei.“ Nicht umsonst hat der Vordenker Heinrich Himmler (Reichsführer der SS und Chef der Deutschen Polizei) der Leander nachgerufen, als sie ab 1943 keine Filme mehr drehen wollte: „… wir sind vor neuen Filmen bewahrt und die deutsche Frau kann wieder Atem holen.“
 Als mir 1985 dieser Text in die Hände fiel, diente er mir fortan auch als   „Zeitzeuge".
 
  Zeitzeugen, die mich beeindruckten:
"Sie war die große Trostspenderin  in einer Zeit, in der es viel zu trösten gab." 
Ein glühender Zarah-Verehrer ist  Gary H.Philipp (1928), der als Jude mehrere KZs überlebte und mir schilderte, wie ihm und seinen Leidensgenossen das Lied „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh`n“ Mut und Überlebenskraft gab. Er und weitere Mitgefangene  hätten es oft zusammen gesungen. Es war mir möglich, ihn als Zeitzeuge bei Guido Knopp in der Sendung „Hitlers Frauen – Zarah Leander die Sängerin mit  seiner unerhörten Aussage unterzubringen.
Victor Klemperer( 9. Oktober1881 in Landsberg an der Warthe ; † 11. Februar1960 in Dresden ) war ein deutscher Literaturwissenschaftler und Schriftsteller . Seine ab 1996 im Aufbau-Verlag veröffentlichten Tagebücher, in denen er akribisch seine Ausgrenzung als Intellektueller jüdischer Herkunft aus der deutschen Gesellschaft im Alltag der Zeit des Nationalsozialismus dokumentierte, gelten heute als wichtiges Dokument der Zeitgeschichte und sind Standardwerke für den Geschichts- und Deutschunterricht. In ihnen schildert er auch seine letzten Kinobesuche  (bevor diese nach der „Reichskristallnacht“ ab November 1938 für Juden verboten wurden), die ihm bis dahin  auch immer Momente der Entspannung brachten. Er zeigte sich beeindruckt von dem neuen UFA-Star Zarah Leander in deren Filmen „La Habanera“ und „Heimat“.
 
Stellvertretend für seine Berufskollegen erlaube ich mir  Manuel Brug (geboren 1965 in München dort Studium der Theaterwissenschaft, Musikwissenschaft, Romanistik, Komparatistik und Publizistik.. Seit 1988 Theater-, Musik- und Tanzkritiker bei der Süddeutschen Zeitung. Danach Redakteur bei Opernwelt, Wochenpost und Tagessspiegel) mit seinen unsinnigen Behauptungen an den Pranger zu stellen:                                    
(A):Zarah Leanders Name sei eine Erfindung, um dann daraus zu schlussfolgern, „(…) wie vieles, was folgen sollte, war eine große Lüge“. Inzwischen ist diese „gnadenlose Abrechnung“, die zum 100. Leander-Geburtstag in der „Welt“ und der „Berliner Morgenpost“, allerdings unter den Überschriften: „Primadonna mit Scheuklappen“ und  „Diese Augen. Diese Stimme.“erschien, in „Welt-Online “unter der Schlagzeile„Die große Lüge  der Zarah Leander"  nachzulesen. Diverse Leser-Kommentare, die dem Autor widersprachen, u.a. auch mein Beitrag, wurden inzwischen gelöscht. Daher möchte ich auch noch auf seine zweite Feststellung eingehen, die lautet:            (B) Der Film „Die große Liebe“ „(…) ist heute nur mit Schnittauflagen zu sehen.“   Er ist seit 2007 ungekürzt auf DVD zu erwerben, verehrter Manuel Brug,                                                
                „recherchieren, recherchieren, recherchieren und den Beruf ernst nehmen         
war meine Aufforderung an Sie in meinem Online-Kommentar und des Weiteren: „Die Lügen, die Sie so leichtfertig der Leander unterstellen, fallen Ihnen jetzt vor Ihre eigenen Füße.“            
 Da Sie auch als Buchautor in Erscheinung getreten sind, zitiere ich jetzt, wie Ihre Kollegen Ihre Arbeitsweise mit berufenerer Feder beurteilen: 
Rezensent Kurt Malisch (Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2004) zu Ihrem Buch (Die neuen Sängerstimmen von Cecilia Bartoli bis Bryn Terfel): „Leider lässt die Qualität der neuen Arbeit von Manuel Brug (…) sehr zu wünschen übrig,“ er findet das "inhaltliche und sprachliche Niveau" sogar "bedenklich". Das manifestiert sich für ihn darin, „dass einem schon bei oberflächlicher Betrachtung ein Haufen Druck- und Schreibfehler ins Gesicht springen und sich Brugs Stil zwischen  Flapsigkeit und Formulierungsschwäche bewegt. Dazu kommt eine ganze Reihe sachlicher Fehler. (…)“   Zum selben Buch bemerkt Dieter David Scholz im SWR, "Musik aktuell", gesendet im Februar 2004:   
  „Manuel Brug ist ein krasser Fall von Selbstüberschätzung. Er gleitet in vielen selbstgefällig-gehässigen verbalen Invektiven ins persönlich Verunglimpfende ab,  (…). Auf welchem menschenverachtenden Niveau sich Brug tatsächlich bewegt, offenbart er am deutlichsten, wenn er Andrea Bocelli und Thomas Quasthoff in einem Kapitel abhandelt, das er "Behinderung oder Freakshow" überschreibt. Solch zynische Entgleisungen, aber auch die durchgängige Flapsigkeit seines Stils entlarven ihn als bloßen "Klatschkolumnisten" (…) Beklagenswert ist vielmehr seine Gehässigkeit gegenüber den Sängern und seine fachliche Uninformiertheit. (…)  Wer auch immer für dieses Buch recherchiert hat, war schlampig. (…)".   
 Die Leander hat durch ihre besondere Art, ihre dunkle Stimme, immer auch polarisiert. Ihre Gegner setzen sich aber oft nicht mit ihrem Künstlertum und dessen Wirkung auseinander, vielmehr benutzen sie die „Nazikeule“, um sie zu erledigen. Aber es ist ihnen in den vergangenen Jahren nicht gelungen, und dank der oben erwähnten Möglichkeiten wird es ihnen auch in Zukunft nicht gelingen. Daher auch weiterhin:  
UNVERGÄNGLICH  - UNVERGESSEN

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  Er heißt Waldemar!

Text: Bruno Balz       Musik: Michael Jary
 
Vor 70 Jahren wurde eines der schönsten Zarah-Leander-Chansons produziert,
das die Leander leicht, elegant, kokett mit ihrer unverwechselbaren Stimme vortrug.
Seit 70 Jahren gespeichert auf Schellack, Tonband, Vinyl und inzwischen auf diversen
CDs, erfreut es immer noch unzählige Hörer:


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 Aufnahmedatum ist der 21.November 1940, Aufnahmeort das Lindstroem- Studio, Raum 2, Schlesische Straße, Berlin
Im November 1940 gelang dem Team Leander–Balz-Jary mit der Veröffentlichung von „Er heißt Waldemar“ ein überaus populärer Erfolg mit subversivem Unterton. Zarah Leander stellt in diesem Liebeslied zunächst das zeittypische, politisch propagierte Erscheinungsbild eines arischen Mannes vor:
Mein Ideal auf dieser Welt,
das ist für mich der kühne Held,
der große blonde Mann!
Er kommt aus einem Märchenland
und reicht mir seine starke Hand,
die mich zerbrechen kann.
So sieht der Mann meiner Träume aus,
seine Name ist Ralf oder Peer,
 
ihr als Schwedin konnte dieses "nordische" Idealbild auch nicht als Parodie ausgelegt werden.  Anschließend zerbricht der Text von Balz jedoch das nationalsozialistische Traumbild:
 die Wirklichkeit sieht aber anders aus,
 bitte hören Sie mal her:
Er heißt Waldemar
und hat schwarzes Haar,
er ist weder stolz noch kühn,
 aber ich liebe ihn!
Er heißt Waldemar,
und er ist kein Star,
 seine Heimat ist Berlin,
aber ich liebe ihn!
Der Junge ist das Gegenteil von meinem Ideal,
ich werde nicht mehr klug aus mir,
doch das ist mir egal!
Er heißt Waldemar,   und sein Geld ist rar,
nie krieg ich `nen Hermelin,
aber ich liebe ihn!
 Ich find mich selber sonderbar,
ich nenne alles Waldemar,
mein Auto und den Hund!
Den Vogel, den Chauffeur sogar,
die nenn ich alle Waldemar,
und das hat seinen Grund!
Mir ist es manchmal schon selbst fatal,
denn jeder kennt meine Passion,
und jede Kapelle im Tanzlokal
bringt mir diese Ovation:
Er heißt Waldemar
und hat schwarzes Haar,
er heißt Waldemar
und sein Geld ist rar,
er heißt Waldemar 
und er ist kein Star!
Er heißt Waldemar
und hat schwarzes Haar,
er ist weder stolz noch kühn,
 aber ich liebe ihn!
Ui, der Waldemar,
das ist ein Barbar,
manchmal möcht ich vor ihm fliehn,
aber ich liebe ihn!
Am Morgen „Er,“ am Abend „ER,“
 das ist mein Lebenslauf,
ich schlaf mit seinem Namen ein
und steh auch mit ihm auf!
Er heißt Waldemar
und küsst wunderbar!
Ach, der Mann ist mein Ruin,
aber ich liebe ihn!
Oj, Waldemar!

Die augenfällige Anspielung auf die Diskrepanz zwischen dem von der Politik propagierten blonden Helden und dem schwarzhaarigen Geliebten wird noch durch die Relativierung der Reichs- (und erträumten Welt-)Hauptstadt übertroffen, wenn die Sängerin bei ihrem Waldemar neben vielen anderen auch noch folgenden Nachteil einräumen muss: "Seine Heimat ist Berlin, aber ich liebe ihn." Balz führt den Text zwischendurch geschickt auf das Thema Tanzmusik ("Und jede Kapelle im Tanzlokal bringt mir diese Ovation"), wodurch Michael Jary eine ganze Strophe lang Swing spielen lassen konnte, ohne dass das Lied insgesamt in diese verbotene Kategorie einzuordnen gewesen wäre.

Zitiert nach Wikipedia siehe unter Bruno BalzWikipedia

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Göran Forsell  2. April 1929 - 14. Juli 2010

Am 14.7.2010 starb Göran Forsell, Zarah Leanders Sohn aus ihrer ersten Ehe mit dem Schauspieler und späteren Verleger Nils Leander (4.Mai 1905 - 16.Juli 1990), der die Leander am 1. September 1927 heiratete, die Ehe wurde 1932 geschieden.

Folgender Zeitschriften-Artikel stammt aus dem Jahre 1973: 

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 Berlin am 15.März 1967: Göran gratuliert seiner Mutter zu ihrem 60. Geburtstag

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  Göran mit seiner Mutter  1936

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Ab heute lohnt es sich besonders, immer wieder meine Zarah-Leander-Homepage zu durchstöbern:

Vor ein paar Tagen erwarb ich einige hundert Zarah-Leander-Fotos, (Porträts, Bühnen-, Presse-und Privatbilder) aus den Jahren 1935 bis 1977, die ich in den kommenden Tagen und Wochen in die Homepage,  in die jeweiligen Jahresordner, oder unter Porträts integrieren werde.  Also, noch mehr Freude beim Stöbern  wünscht Ihnen am 4. März 2010 Ihr Paul Seiler. 

Als Vorgeschmack hier schon mal ein unbekanntes Porträt aus dem Jahre 1936, das in Wien entstanden ist.

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 Dieser handgearbeitete Pokal (aus 1 585 g. 925er Silber) wurde der Leander am 15. März 1939, an ihrem 32.Geburtstag, von den vorsitzenden Herren der UFA, Generaldirektor Klitzsch und Produzent Corell, überreicht. Seit dem 16. Oktober ist er in meinem Besitz, ersteigert habe ich ihn am 9. Oktober 2009 in einem Münchner Auktionshaus. Jetzt ergänzt er mein Archiv auf das Allerbeste und hat in meiner Wohnung einen Ehrenplatz.

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FRAU ZARAH LEANDER

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IN TREUER UFA-VERBUNDENHEIT

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15.MÄRZ 1939

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Auch auf Zarah Leanders Landsitz Lönö wurde dem Pokal ein Ehrenplatz eingeräumt

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nun erfreut er auch mich jeden Tag aufs Neue

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Wie Zarah Leander in ihren Memoiren diesen Ehrentag beschreibt, ist da auf Seite 203 nachzulesen

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Unteres Bild: Zarah Leander mit UFA-Generalditektor Klitzsch im Januar 1939, anlässlich Ihres Auftrittes beim Berliner-Presseball 

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Berlin, den 26. Juni 2009: Post aus Schweden 

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Über die Ehrenmitgliedschaft in der schwedischen  Zarah-Leander-Gesellschaft habe ich mich sehr gefreut, mit mir sicher auch viele Zarah-Fans:

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Endlich ist auch einer der schönsten Leander-Filme auf DVD erhältlich:

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Obiges Flugblatt habe ich bei der Demo am 9.5. 2009 verteilt: Der Text, den Bruno Balz für Zarah Leander vor mehr als 70 Jahren schrieb,eignet sich auch heute, um auf das verklemmte Verhältnis hinzuweisen, das der Homosexualität immer noch entgegengebracht wird.

SPIEGEL ONLINE berichtete über die Demo unter 'Wie Schwule eiskalt abserviert wurden' und zitierte mich:

("Früher haben wir uns weggeduckt. Man durfte nicht zusammen tanzen oder sich küssen", berichtet Paul Seiler, Jahrgang 1936. Der leicht gebeugte Herr im eleganten Anzug wohnt seit den siebziger Jahren im Kiez und steht jetzt in der Menge vor der Eisdiele. "Das ist eine Art alltäglicher Faschismus. Deswegen bin ich heute hier.")

Veit Medick und Zacharias Zacharakis

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Die Zarah der Schwulen von Tiina Rosenberg

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Ein interessantes Buch aus Schweden, in deutscher Übersetzung  wird es nicht nur in Deutschland geneigte Leser finden.

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Am 15. März feierten wir im Café im Schoeler Schlösschen mit einem aufgeschlossenen Publikum Zarahs 102. Geburtstag

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Anwesend auch Tim & Rolando Jiménez Dominguez, unteres Bild: Der Veranstalter Wolfgang-David Sebastian mit Tim und Paul Seiler 

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Paul Seiler mit Tim und Rolando

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Jorge Semprún (* 10. Dezember 1923 in Madrid  gestorben am 8.Juni 2011 in Paris) ist ein Schriftsteller  spanischer  Herkunft. Sein literarisches Werk ist gekennzeichnet vom Anschreiben gegen das Vergessen. Als ehemaliger Widerstandskämpfer in der französischen Résistance  und gegen die Franco-Diktatur in Spanien ist er, trotz aller politischen Wandlungen, der Moral des kollektiven Widerstands treu geblieben. 1943 wurde er nach Buchenwald deportiert. Von 1946-50 war er bei der UNESCO tätig.Er drückt in seinen überwiegend autobiografischen Schriften eine humane Anklage gegen die Grausamkeiten von Exil, Krieg und Deportation aus.In„Was für ein schöner Sonntag“ schildert er den Alltag im KZ Buchenwald, in dem es auch „Momente der Kameradschaft, der heimlichen Solidarität der „Kumpel“, Momente für Träume von schönen Sonntagen der Vergangenheit  gab. (---) Der SS-Mann auf dem Wachturm musste eine Schwäche für die Lieder der Zarah Leander gehabt haben. Er spielte unentwegt Platten von ihr. (---) Alle Lautsprecher des Lagers verbreiten die tiefe, zuweilen metallisch vibrierende Stimme, diese Stimme, die nur von Liebe spricht.(…) Die Platte wird immer wieder an den stillen Nachmittagen in Buchenwald gespielt. Barizon und ich sitzen uns im leeren Speisesaal von Block 40, Flügel C, im ersten Stock, gegenüber. Wie essen die dünne Schnitte Schwarzbrot, die wir für diesen privilegierten Augenbick in der relativen Stille dieser sagenhaften Nachmittage ohne jegliche Hetze aufbewahrt haben, wenn wir der Nachtschicht zugeteilt sind. Wir hören vage die Stimme Zarah Leanders, die von Liebe spricht, als wäre das Leben nichts anderes als eine Reihe kleiner Freuden, herzzerreißender Sehnsüchte, wie Kristall klirrender Gefühle. Wir unterhalten uns, wobei wir vage die tiefe, vibrierende Stimme Zarah Leanders hören.“ 
 
Heiner Geißler(* 3. März1930 , ein deutscherPolitiker der CDU ).Von 1982 bis 1985 Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit und von 1977 bis 1989 Generalsekretär der CDU. Im Mai 2007 trat er der globalisierungskritischen Organisation attac bei. In den letzten Jahren sorgte seine Wende zu liberalen bis linken Positionen für beträchtliches Aufsehen.In dem von Elke Heidenreich herausgegebenen Buch Ein Traum von Musik 46 Liebeserklärungenerzählt er, wie er als junger Mann, ähnlich wie Fellini, von Zarahs Stimme fasziniert war: „Meine erste bewusste musikalische Begegnung war Zarah Leander - aus dem Volksempfänger. (---) Es waren Liebeslieder, und ich erlebte plötzlich diffuses Heimweh und offensichtlich verbotene Sehnsucht, weil meine Mutter das Radio immer abdrehte, wenn ich wie gebannt dieser Musik lauschte. (---) Die tiefe Frauenstimme verwirrte  meine Sinne total und machte mich gleichzeitig unglücklich. Dass es ausgerechnet Zarah Leander sein musste, die in mir pubertäre Gefühle weckte, machte mir auch später nichts aus. Dass sie nach dem Krieg der Kollaboration mit den Nazis beschuldigt wurde, tat mir in der Seele weh. Ich kaufte mir später aus Trotz Schallplatten mit ihren Liedern, um die damalige Stimmung wieder aufleben zu lassen.“ 
                                                
Tomi Ungerer (* 28. November1931 in Straßburg , Elsass , Frankreich ), ein französischer, international bekannter Grafiker , Schriftsteller und vor allem Illustrator von Bilderbüchern für Kinder und Erwachsene. Mit der Eröffnung des Tomi-Ungerer-Museums in Strasbourg am 02. November 2007 wird erstmals in Frankreich ein lebender Künstler mit einem Museum geehrt. Mit seinen frechen, provozierenden und immer humorvollen Zeichnungen hat Ungerer seit Jahrzehnten Erfolg nicht nur in seiner französischen Heimat, sondern insbesondere auch im deutschsprachigen Raumbemerkt in derselben Publikation zum gleichenThema:   „Mein Lieblingssänger und auch gleichzeitig meine Lieblingssängerin: Zarah Leander.“
 
Brigitte Mira  (* 20. April1910 in Hamburg ; † 8. März2005 in Berlin ) war Volksschauspielerin , Kabarettistin , Chanson -Sängerin und bekannt als Berliner Original aus Fernsehserien wie Drei Damen vom Grill. Im Rahmen der Fallada-Revue Kleiner Mann - was nun?, die Peter Zadek 1972 am Bochumer Schauspielhaus inszenierte, lernte sie Rainer WernerFassbinder kennen, durch ihn bekam sie ihre erste große Charakterrolle, in seinem Film Angst essen Seele auf , wofür sie 1974 mit dem "Filmband in Gold" ausgezeichnet wurde.Mit Zarah Leander trat sie in den 50er und 60er Jahren mehrmals in Berlin in der Waldbühne oder im Sportpalast auf. Im Juni 2000 überreichte ich Brigitte Mira, die sich darüber sehr freute, mein Buch "Ein Mythos lebt", und sie erzählte mir auf ihre warmherzige Art von ihren interessanten Begegnungen mit der Leander.
 
Nina Hagen (* 11. März1955 in Ost-Berlin ) ist eine deutsche Sängerin , Schauspielerin und Songwriterin , singt ab 1982 auch Zarah-Leander-Lieder (Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn), gerade junge Menschen entdecken durch sie die Leander, über die sie immer voller Respekt spricht.

Rosenstolz ist ein Musikduo aus Berlin , das aus der Sängerin AnNa R. und dem Songwriter und Sänger Peter Plate besteht. Gegründet wurde die Gruppe 1991 in Berlin-Friedrichshain . Die fast immer auf Deutsch gesungenen Lieder waren zu Beginn stillistisch zwischen Pop, Chanson und Rock angesiedelt. Mit ihrem Chanson "Zarah in Ketten" fügen sie 1996 der Erinnerungskultur um die Leander ein respektables Juwel bei. Erschienen auf der CD "Objekt der Begierde". 

Dieter Bohlen (* 7. Februar1954 in Berne , Niedersachsen )ist ein deutscherMusiker , Produzent und Songwriter . Mit dem Duo Modern Talking gelang ihm 1984 der Durchbruch. Bis zum Jahre 2008 wurden 160 Millionen Tonträger verkauft, die er selbst produzierte,    1991 textete und komponierte er für Peter Alexander die Hommage an Zarah, erschienen auf der CD Verliebte Jahre. Über die Gesangskunst der Leander äußert er sich in der Öffentlichkeit mit Begeisterung: Wenn die singt, läuft es mir kalt über den Rücken."
 
Peter Alexander (* 30. Juni1926 in Wien ; † 12. Februar2011 ebenda)war ein österreichischerSänger , Schauspieler und Showmaster . Von Mitte der 1950er bis Mitte der 1990er Jahre gehörte er zu den populärsten Unterhaltungskünstlern im deutschsprachigen Raum. Mit viel Einfühlungsvermögen interpretierte er das Bohlen-Lied Hommage an Zarah.Bei diversen Auftritten im Film und auf der Bühne präsentierte er außerdem seine Zarah-Parodien mit viel Liebe, Charme und einem Augenzwinkern.
Brigitte Pettersson (29.September 1936), Zarah Leanders langjährige Begleiterin, Sekretärin und Zofe, die wie ich  in den 50er Jahren den Star kennenlernte, sich aber als einzige als deren Freundin bezeichnen darf. Dass es seit 2006 im Gemeindehaus in Häradshammar in Vikbolandet neben dem Friedhof, auf dem die Leander liegt, ein Zarah-Museum gibt, ist allein ihrer Initiative zu verdanken. Besucher aus aller Welt treffen sich dort, über das Jahr verstreut finden diverse Veranstaltungen statt. Siehe auch: www.zarahleander.se 
 
                          Singen mit großem Können und Respekt Zarah-Leander-Lieder:
 
Romy Haag (1951, die grandiose Entertainerin, die ab den 1970er Jahren im provinziellen  West-Berlin das Nachtleben aufmischte.)  Mit ihrer speziellen CD „Frauen, die ich nicht vergessen kann: Marlene Dietrich, Zarah Leander und Hildegard Knef“  erinnerte sie auch an die Leander, deren Lieder zu ihrem Repertoire gehören
                                                                                                                                                                                                                          
Des Weiteren:
Milva, Dunja Rajter, Mireille Mathieu, Karin Pagmar, Elly Lapp, Tanja Froidl, Alexandra Völkel     und viele mehr.
Die großen Travestie-Stars verwandeln sich seit Jahrzehnten ganz unterschiedlich in die Leander, stellvertretend nenne ich deren drei: Armand aus Wien, Christina aus Amsterdam, Curt Delander aus Bonn. Am 2. Dezember 2000 gaben die drei Diven unter der Überschrift „Zarah Leander – drei Dimensionen“  inder Urania in Berlin ein umjubeltes Konzert zugunsten der Aids-Hilfe.
             
Theaterstücke um Zarah:
Seit den 1980er Jahren existieren die unterschiedlichsten Theaterstücke, die sich mit der Leander und deren Liedgut befassen. Wenn auch noch „Die Dietrich“ dazugehört, wie in den Stücken„Zarah Leander trifft Marlene Dietrich“oder „Dietrich & Leander“, wird es besonders spannend! 
 
Jutta Jacobi (geboren 1955 in Göttingen) studierte Germanistik und Theaterwissenschaft in München. Als Journalistin und Feature-Autorin lebt sie in Stockholm und Hamburg. Zum 100. Leander-Geburtstag veröffentlichte sie das Buch „Das Leben einer Diva“, sehr einfühlsam und objektiv mit vielen unbekannten Details aus der Sicht von Zarahs schwedischen Landsleuten.
 
Leander-Filme im Fernsehen, speziell in der ARD und beim ZDF, erreichten bis in die 1990er Jahre immer hohe Einschaltquoten (Der Blaufuchs im  Juli 1984 11,58 Millionen, Es war eine rauschende Ballnacht im Juni 1983 6,61 Millionen), sodass ich mit Fug und Recht feststellen kann: Mehr Menschen haben nach 1945 Leander-Filme konsumiert als in der Zeit, in denen sie produziert wurden.
3 Fernsehporträts in den Jahren 2000/01 wurden von Millionen gesehen: ;
ARTE „Ich sag nicht ja, ich sag nicht nein“ von Gero von Boehm.
ZDF „Hitlers Frauen – Die Sängerin“ von Jörg Müllner.
ARD „Legenden“ von Annette Plomin.
Eine Leander-Straße in Potsdam:Seit den 1990er Jahren gibt es sie auf dem Filmgelände  in Babelsberg. Hier drehte die Leander zwischen 1937 und 1942 diverse Filme.
Zwei Hotels am Kurfürstendamm in Berlin erinnern seit den 1990er Jahren an Zarah Leander
Auf einem Gemälde über der Rezeption im Kempinski die Leander neben Liza Minnelli, Billy Wilder, Michail Gorbatschow und weiteren Promis, die Gäste im Hotel waren.
In Artur Brauners(„Atze“ Brauner * 1. August1918 in Łódź , ist ein polnischer Filmproduzent und Unternehmer) fantastischem Filmhotel „Hollywood Media Hotel Berlin“ wird nicht nur an die erfolgreichen Produktionen von Brauners CCC erinnert, vielmehr ist jedes Zimmer einem Star gewidmet, darunter auch der Leander.   Pressetext:„Hier wird Ihr Besuch zu einem unvergesslichen Spaziergang durch die goldenen Jahre des Films. Unser Hotel in Berlin ist eine besondere Hommage an den Film, an internationale Stars und unvergessene Filmlegenden. Jedes der 182 Zimmer unseres 4-Sterne-Hotels in Berlin ist einem bekannten Schauspieler oder Regisseur des letzten Jahrhunderts gewidmet. Das Thema „Film“ und „Hollywood“ wird im gesamten Berliner Hotel aufgegriffen.“
Schließlich Dank  auch demInternet inklusiveYouTube: Fast alle Zarah-Lieder sind da abrufbar, „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“ wurde inzwischen weltweit schon 750 000 Mal angeklickt.
Fazit:

In den vergangenen Jahren hat sich eine Internet-und Mediendemokratie etabliert, die das Meinungsmonopol alteingesessener Institutionen ablöst und,  wie im „Fall Leander“, die verschiedensten Meinungen zulässt. Natürlich gab und gibt es auch eine Gegenbewegung, die nicht nur aus Gründen der Political Correctness der Leander immer wieder den Hitler oder mindestens den Goebbels ans Bein bindet, teils auch nur, weil es so schön gruselig ist, teils auch mit dem Wissen, dass jedweder Verbindung zu den beiden intensivstes  Interesse entgegengebracht wird. Andererseits zerstört man mit Äußerungen, die eine Verbindung zu den Handlungen dieser Kriegsverbrecher herstellen, jede vernunftorientierte Debatte über eine Künstlerkarriere in einer Diktatur. Oft ist auch keine Pointe zu billig, um die Leander zu verunglimpfen.



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