Paul Seilers ZARAH LEANDER Archiv

roter Pfeil A R C H I V 1937 - 9

Bilder, Fotos, Zeitungsausschnitte etc. aus dem Jahre 1937




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Schwedisches Kinoplakat zu dem Film <Zu neuen Ufern>
sowie Werbung in der Zeitschrift Filmjournalen.
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SF-nyheter Stockholm Nr.29 4.-10. Oktober 1937:
ZARAH-Erfolg in fremdem Land
37b077i "Zu neuen Ufern" in der schwedischen Presse
 
 
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37b077k  Zu neuen Ufern" in der schwedischen Presse
 
Zu neuen Ufern in Frankreich: 
37b078b Zu neuen Ufern in Frankreich
37b078c  Zu neuen Ufern in Frankreich
 
 
Allers Schwedwn am 24. August 1937: 
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 ZARAH ist "die LEANDER" geworden
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und Paris, unten wie die Schweiz den neuen Star einschätzte:
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Schweizer Illustrierte  Nr.39 vom 22. September 1937
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37b079aZarah Leander mit ihren Kindern Göran und Boel,
die ab März 1937 bis 1939 in Berlin wohnten.
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 Vecko Journalen Schweden 6. Juni 1937:
37b081c  Zarah Leander 1937 in ihrem Berliner Wohnsitz
 
37b081d Zarah Leander 1937 in ihrem Berliner Wohnsitz
Übersetzung des obigen Textes:

Zarah Leander ist mit der Filmarbeit bei der Ufa

unerhört beschäftigt und deshalb in ihrer Berliner

Wohnung schwer anzutreffen. Vor einigen Tagen

konnte jedoch ein Fotograf einen Besuch machen

und die schwedische Schauspielerin porträtieren.

Völlig gleich bleibt sich "die Leander" aber nicht,

nachdem die Deutschen sich ihrer angenommen

haben, um sie den Stars entgegenzuführen.


 
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Zarah Leander mit ihrer Mutter bei deren Besuch 1937 in Berlin
 
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 Übersetzund des obigen Textes:
Die Leander aus Värmland
Wie das ist, Filmstar in Berlin zu sein – Idun besucht Zarah Leander
in ihrem neuen  Heim
Seit einiger Zeit sorgt im Berliner Renaissancetheater die Komödie "Schauspielerin" für volles Haus. Darin kommt ein Dialog zwischen dem Theaterdirektor und einer berühmten Diva vor. Diese will ihre Rolle nur unter gewissen Bedingungen spielen. Der verzweifelte Theaterdirektor versucht es vergebens mit Bitten und mit allen Mitteln, im Guten wie im Bösen. Plötzlich erhellt sich seine Miene, er geht zum Telefon und verlangt das Fernamt.
-      Was wollen Sie tun? will die Schauspielerin wissen.
-      Ich rufe in Wien an und verlange Zarah Leander. Mit ihr in der Hauptrolle ist der Erfolg des Stückes gesichert. Die große Diva wird wachsbleich.
-      Nein, nein, rufen Sie sie um Himmels willen nicht an. Ich spiele die Rolle zu jeder Bedingung. Das Publikum tuschelt lachend, denn Zarah Leander befindet sich längst nicht mehr in Wien, sondern ganz in der Nähe. Der Direktor hätte nur bei der UFA anrufen müssen, dort filmt sie gerade oder in der prächtigen Villa in Dahlem, die sie bewohnt. Nein, das stimmt nicht ganz: Damit sie mit ihrer Familie ungestört sein kann, ist diese Telefonnummer geheim.
Wenn das Theaterpublikum auf die Straße tritt, sieht es Zarah Leanders Namen in der großen Leuchtreklame gegen den dunklen Nachthimmel strahlen. Den Berichten nach sorgt ihr Wiener Film nach wie vor für volle Häuser, und an den Wandflächen kleben Bilder von Zarah Leander in Riesengröße.
Man hat den Eindruck, Berlin sei von einem Zarah-Leander-Fieber erfasst. Und draußen in den sommerheißen Ateliers der UFA arbeitet Zarah Leander selbst vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit Willy Birgel, ihrem Partner in dem Film, der – bis auf weiteres – "Zu neuen Ufern" heißt. Das ist eine hochdramatische Sache mit tragischem Einschlag. Die Handlung des Films ist in die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts verlegt. Sie beginnt in London. Die Heldin, eine berühmte Chansonsängerin, nimmt ein Verbrechen auf sich, dass ihr Geliebter beging. Sie wird in ein Frauengefängnis nach Australien geschickt, und dort setzt sich die Handlung fort. Ich besuche die UFA gerade an dem Tag, als die Auftritte der Chansonsängerin gefilmt werden. In einem der riesigen Ateliers der UFA hat man ein ganzes Theater aus dem Ancien régime aufgebaut. Der Rampe entlang brennen kleine Gasflammen, vor dem Kapellmeister im Orchestergraben sitzt die Garde. Zarah ist wunderschön: In einem Kleid (mit Reifrock) aus schwarzer und gold-farbiger Spitze betritt sie die Bühne. Als sie ihr "Regenlied" singt, das auch im Film vorkommt, sind nicht nur die Statisten ergriffen. Alle, Regisseure, Fotografen, das ganze technische Personal sind völlig überwältigt. Der Komponist Benatzky, der die Musik zum Film schrieb, lobt Zarah: Er habe noch niemals einen so musikalischen Menschen wie sie getroffen.
Frau Leander geht in ihrer neuen Arbeit ganz auf.
-      Es ist unerhört unterhaltend und interessant, die Kräfte auf neuen Gebieten zu prüfen, und es ist außerordentlich spannend zu sehen, wie die Arbeit täglich vorwärts geht. Aber es ist auch sehr anstrengend. Ja, es wäre für die filmbegeisterte und von Diven träumende Jugend sicher nützlich, eine große Filmschauspielerin aus der Nähe ein wenig arbeiten zu sehen.
Zarah Leander fährt oft schon gegen halb sechs am Morgen die zwei schwedischen Meilen bis zu ihrer Arbeit und kehrt manchmal erst gegen Mitternacht aus dem Atelier zurück.
An gewissen Tagen ist die Arbeit so intensiv und nervtötend, dass der Spielende sich kaum Ruhe gönnt oder die Zeit für eine ordentliche Mahlzeit findet.
Wenn Frau Leander in diesen Tagen einige freie Stunden zu Hause verbringt, ist das in der Dahlemer Villa ein Fest voll Schwung und Freude. Denn die alte Behauptung, nur der Abstand mache die Berge blau und die Menschen groß, gilt nicht für Zarah Leander. Als Gastgeberin, Mutter und Tochter lernt sie auch die Nähe kennen und hält sie aus. Sie gehört zu den Menschen, die Kraft und Harmonie ausstrahlen. Wenn sie nach einer Reihe anstrengender Drehtage heimkommt, könnte man glauben, dass sie nun allein sein und ihre Ruhe haben will. Aber stattdessen nimmt sie praktische Aufgaben in der Wohnung in Angriff, sorgt sich um das Wohl der ganzen Familie, findet Zeit und Kraft für Freunde und Gäste. Es ist, als ob Hast und Nervosität für sie nicht existieren.
-  Wie leid tun mir doch die einsamen Menschen, die sich nur mehr mit sich selbst beschäftigen, sobald sie die Arbeit aufgeben, sagt sie selbst. Ich habe ja meinen Mann, mit dem ich mich in vielem beraten kann – und dann habe ich meine Kinder. Fast ein halbes Jahr war ich fort von ihnen, damals, als ich in Wien spielte. Das war alles andere als erfreulich. Und ich war wirklich froh, als wir diese hervorragende Wohnung fanden, die eine so gute Lage hat.
Man versteht ihre Zufriedenheit. Dahlem ist Berlins vornehmster Villenvorort mit einer Bebauung, die vom alten Schloss- und Bürgerstil bis zum gradlinigen Funktionalismus reicht. Die Leander-Forsell-Villa, wo die UFA streng über ihren Star wacht, bietet Platz für über zwanzig Räume. Sie hat eine herrliche Lage. Zwischen dem kilometerlangen Kiefernwald, der sich zu beiden Seiten erstreckt, kann man den Grunewaldsee undeutlich wahrnehmen. Es gibt schöne Spazierwege, wo Frau Leanders Kinder Boel und Göran mit ihrer schwedischen Lehrerin morgens vor Schulbeginn wandern. Boel geht in ihr zehntes Jahr und Göran wurde diesen Frühling acht. Es sind freundliche, aufgeweckte Kinder.
Eines Tages kommt Göran mit zwei Zinnsoldaten, die er für gespartes Kleingeld gekauft hat, und nun hat er noch ein Fünfpfennigstück übrig.
-       Du, Boel, sagt er und versucht, die große Schwester mit seinen treuherzigen Augen zu erweichen, leg deine Münzen dazu, dann können wir einen Soldaten kaufen, wenn wir zusammenlegen. Boel denkt nach, bevor sie sich entscheidet.
-      Du kannst meine Münzen haben, aber nur unter der Bedingung, dass du eine Krankenschwester kaufst. Eine Krankenschwester macht keinen Spaß, kaufen wir doch erst einmal einen Soldaten, versucht es Göran.
Aber Boel beharrt auf ihrem Standpunkt: Nein, weiß du, jetzt wollen wir vor allen Dingen einen Krankenschwester haben. Für diese zwei Soldaten bekommst du sicher jederzeit eine Schwester. Lies etwas für uns, aber nicht etwas Trauriges oder Schreckliches, bittet Boel meistens. Aber da korrigiert Göran: Ja, lies etwas recht Abenteuerliches und Spannendes!
Göran denkt jedoch nicht nur ans Spannende. Er hat einen für ein Kind in seinem Alter außergewöhnlichen Sinn für das Komische. Da kommt sowohl in seinen Zeichnungen als auch in seinem Auftreten als Imitator zum Ausdruck. Seine Art, Mama Zarah dazustellen, Karl Gerhard oder einige ihrer Bühnenkollegen, ganz zu schweigen von Karl Alfred Boy, zeugen von künstlerischer Intuition – er schlägt vielleicht einmal Mamas Weg zur Bühne ein. Selbst hat er vorläufig noch keine Träume von Thalia. Wenn er und die Schwester von der Zukunft reden, dreht es sich immer um einen Hof in Värmland, der ihnen vorschwebt.
-      Ist unser Hund Leffe nicht sehr schön? fragt Boel. Und nachdem sie eine bekräftigende Antwort erhalten hat, fährt sie fort: Denk dir, wenn wir unseren Hof in Värmland bekommen, werden wir sechs Hunde haben, das hat Mama versprochen.
-      Und ich werde värmländisch lernen und ein richtiger Värmländer werden, erklärt Göran mit Gefühl und Überzeugung.
Nun ja, fehlt nichts an seinem värmländischen Dialekt, dann hat er das richtige Naturell. Das ist wohl mütterliches Erbe.
Jedenfalls dachte man draußen bei der UFA, der schwedische Filmstar sei wie eine der Gestalten von Selma Lagerlöf, weil sie während einer Drehpause – geschminkt und kostümiert, denn die Zeit war knapp – die drei Meilen im Auto nach Berlin fuhr, um ihre Mutter zu empfangen, die zu Besuch kam, und einige Minuten mit ihr zu verbringen. Dann raste sie wieder zurück zur Arbeit. Ja, Zarah ist die beste Tochter, sagt ihre Mutter, selbst ein Prachtweib aus Pelle Molins Flusstal. Und wenn Zarah Leander eines Abends in der Dämmerung von ihrer Kindheit und ihrer Heimat zu erzählen beginnt, von Bräuchen und Familienereignissen, in denen ihr verstorbener Vater den Zentralplatz einnimmt, da vergisst man, dass man bei einer Filmdiva in einem orientalischen Zimmer in einer Weltstadt sitzt. Värmlands blaue Berge kommen auf wunderbare Weise näher, man hört das Rauschen der Birken am Klarölven, Gejer und Fröding, und die Kavaliere von Ekjeby erwachen zu neuem Leben. Ja, mein Vater war ein Mannsbild mit Autorität, flößte anderen Respekt ein, aber mit einem weichen Gemüt, wenn man ihm nahe kam. Mir steckte er manchmal ein Notenheft zu, das er gekauft hatte, am liebsten Chopin oder Tschaikowsky. Lern das hier ordentlich spielen, sagte er mit etwas geheimnisvoller Stimme. Und dann sagst du es mir, wenn du es kannst. Du wirst es für mich spielen, für mich allein, verstehst du! Wenn ich dann spielte, saß er da und drehte mir den Rücken zu, aber ich sah oft seine Riesenschultern zittern – er weinte.  Während der Schulzeit war es immer üblich, dass man nach dem Frühstück zu ihm ging und eine Kleinigkeit für Süßigkeiten bekam. Aber Mama fand wohl, dass es zu viele Leckereien wären. Als ich eines Tages wie gewöhnlich kam, lehnte er ab: Weißt du, Mama hat nein gesagt, deshalb gibt es nun kein Geld mehr. Ich hatte gerade die Treppe nach unten geschafft, da hörte ich ihn rufen: Schau, hier! Du musst auf alle Fälle etwas kriegen, aber sag nichts zu Mama. Und dann flog die Münze zum Fenster hinaus und fiel leise zu Boden.
Als es um meine Sehnsucht nach dem Theater ging, war er jedoch unerbittlich. Er mochte nichts davon hören, dass ich Schauspielerin werden wollte. Ein bisschen ging es wohl darum, dass ich die einzige Tochter war, Buben hatte er nicht weniger als vier. Er hing wirklich sehr an mir, und als er ernstlich krank wurde, wollte er nicht irgendeine Krankenschwester haben. Ich musste zurückkommen und ihn immerhin pflegen, bis er heimging. Das war also zuerst. Danach bekam Zarah Leander die Gelegenheit, ihren Traum vom Theater und vom Film zu verwirklichen, eine Laufbahn, die ihren Namen nun international gemacht hat Und Frau Leanders nächste Pläne?
-       Es gibt noch einen Film, und dann habe ich einige Wochen Sommerruhe. Zu Hause! Wir werden mit dem Auto heimfahren, die ganze Familie. Es wird herrlich sein!
Ja, ja. Das genügt nun. Diejenigen, die ihre Wurzlen in den Flusstälern Norrlands und in den Gegenden um Feyken haben, kehren von Zeit zu Zeit nach Hause zurück, auch wenn die Wege draußen in der Welt zu den Sternen führen.
B.H. – m.
Texte zu den Bildern aus IDUN Schweden Nr. 23/1937: Die Leander aus Värmland
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Bild links oben: Zarah Leander vor ihrer Villa in Dahlem.
kleines Bild Mitte: Frau Leander mit Boel und Göran.
Bild rechts unten: Eine Zigarettenpause bei den Dreharbeiten.
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Text (ohne Bild) links oben:
In Berlin ist Zarah Leander bereits "Die Leander" geworden. Aber sie ist nicht nur eine große Kunstnärrin – Iduns Korrespondent hat Zarah Leander in Berlin aus der Nähe kennengelernt und zeigt nun einige Streiflichter aus ihrem Leben als Privatmensch. "Sie ist die beste Tochter", sagt ihre Mutter, und Zarah Leander selbst erzählt gern über das Elternhaus in Värmland.
Bild oben rechts: Zarah Leander in ihrem Heim in Berlin.
Bild unten links: Zarah Leander in ihrem ersten deutschen Film.
Bild unten rechts : Die Chansonnette – Sängerin singt.

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